Grammatikalische Liebeslieder: Recent Episodes

Armin Moho

Grammatik einmal anders … Jedes dieser elf Lieder demonstriert ganz unauffällig und doch einprägsam eine grammatikalische Form der deutschen Sprache. Dennoch steht beim Hören nicht die sprachliche Form im Vordergrund, sondern vielmehr die Botschaft: Die Lieder erzählen mit großem Einfühlungsvermögen, einem Schuss Ironie und einer Prise tieferer Bedeutung vom interessantesten Thema zwischenmenschlicher Kommunikation: von der Liebe in ihren schönen oder schmerzlichen Momenten. Die Sprache der Lieder ist einfach genug, dass einige schon auf der Niveaustufe A2, alle aber auf der Stufe B1 mit unmittelbarem Genuss und ohne besondere Anleitung gehört werden können. Darin besteht ihr eigentlicher Zweck: Ganz authentische Hörerlebnisse schon in der Grundstufe zu ermöglichen. Wer darüber hinaus mit den Liedern Teile eines Deutschkurses gestalten möchte, für den gibt es Kopiervorlagen mit didaktischen und methodischen Hinweisen und vielen Aufgaben zur Heranführung an die Texte und zur eingehenderen und kreativen Beschäftigung mit ihren formalen und inhaltlichen Besonderheiten. Die Noten zu allen Liedern können Sie hier (http://www.hueber.de/seite/pg_download_gll_daf) kostenpflichtig herunterladen.

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Ich will dich wiederseh’n, so oft wie möglich. Ich will dich wiederseh’n, wenn möglich täglich. Ich kann mich ohne dich schon nicht mehr denken. Ich möchte dir ein Dutzend Rosen schenken. Ich möchte dir drei Dutzend Worte sagen. Willst du mich nicht drei Worte fragen?

Du willst mich wiederseh’n, das kann ich verstehen. Ich möchte dich auch gern wieder sehen. Ich muss den ganzen Tag immer an dich denken. Du darfst mir gern drei Dutzend Rosen schenken. Du darfst mir hunderttausend Worte sagen. Doch die drei Worte musst du selber fragen.

Wir wollen nichts riskieren. Wir wollen uns nicht mehr verlieren. Wir dürfen uns durch nichts erschrecken. Wir müssen uns ganz behutsam entdecken. Wir müssen uns nur in die Augen schauen und wissen es, wir können uns vertrauen.

Ich will dich wiederseh’n, so oft wie möglich. Du willst mich wiederseh’n, wenn möglich täglich. Ich kann mich ohne dich schon nicht mehr denken. Du darfst mir hunderttausend Rosen schenken. Und die drei Worte? Die müssen wir nicht fragen. Wir können uns mit jedem Wort die Antwort sagen.

© 2005 Werner Bönzli, Reichertshausen

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Lasst mich in Ruhe, lasst mich allein. Klopft nicht ans Fenster, ich lass’ niemand rein. Fragt nicht, was los ist. Sagt gar nichts zu mir. Wünscht mir keinen guten Tag – ich habe keinen, denn mein Schatz ist nicht hier. Bringt keine Pizza, bringt keinen Wein. Ladet mich nicht zu euren Partys ein. Schreibt keine E-Mails und ruft mich nicht an. Wünscht mir keinen guten Tag – ich habe keinen, wenn ich sie nicht sehen kann. Anna-Teresa Komm schnell zurück nach Haus. Gib mir dein süßes Zahnpasta-Lächeln, halt mich fest und lass mich nicht mehr aus. Komm zu mir, Anna-Teresa, komm zurück nach Haus.

Anna-Teresa, was hab’ ich getan? Ich bin am Ende. Schau mich nur an! Sieh nur, wie krank ich schon bin, wie blass und wie bleich! Nimm den nächsten Zug und komm zurück nach Hause – tu’s nicht morgen, tu es gleich! Denk nochmal nach, vergiss deine Wut, lass dich umarmen und sei wieder gut. Rede mit mir und hör mir auch zu. Nimm den nächsten Zug und komm zurück nach Hause, Wir gehör’n zusammen, ich und du. Anna-Teresa …

© 2000 Werner Bönzli, Reichertshausen

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1 senkrecht: das Alter, in dem es beginnt. 2 senkrecht: die Blume, die vielleicht ihr Herz gewinnt. 3 senkrecht: Eine stumme Botschaft, die sie mir gibt. 4 waagrecht: Das große Gefühl, wenn man sich liebt. Das Rätsel der Liebe, das Kreuz mit der Liebe. Ein simples Wort: Liebe. Das Kreuzworträtsel der Liebe.

5 senkrecht: ein Stück Papier, das ihr meine Liebe zeigt. 6 waagrecht: ein Apparat, der oft viel zu lange schweigt. 8 waagrecht: die Fenster, aus denen ihre Seele spricht. 7 senkrecht: ein Wort von ihr, das mir das Herz bricht. Das Rätsel der Liebe …

13 waagrecht: ein Termin, auf den man sich jedes Mal freut. 11 senkrecht: ein Fauxpas, den sie mir niemals verzeiht. 14 senkrecht: der Muskel, der laut klopft, wenn ich sie sehe. 16 waagrecht: das Wasser, das tropft, wenn ich von ihr gehe. Das Rätsel der Liebe …

10 waagrecht: das Organ, mit dem sie sagt, dass sie mich liebt. 9 senkrecht: die Berührung, die mir 10 waagrecht gibt. 12 senkrecht: das Fest, mit dem die Liebe ganz legal wird. 15 waagrecht: die Verbindung, die ihr hoffentlich nie egal wird. Das Rätsel der Liebe …

© 1999 Werner Bönzli, Reichertshausen

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Das große Gefühl ist vergangen, man hat sich aneinander gewöhnt. Man hat sich ein paar Mal gestritten. Man hat sich ein paar Mal versöhnt. Die Kussfrequenz wird vermindert, die Intensität sowieso. Der Feierabend wird nicht mehr gefeiert. Die Begrüßung wirkt nicht mehr so froh.

Es ist nicht mehr, wie es mal war, es wird nicht mehr gelacht, nicht mehr geküsst. Man dachte, es sei die eine große Liebe, doch die ist vorbei. Unglaublich, wie völlig vorbei die ist …

Kühle Worte werden gewechselt, kalte Blicke werden getauscht. Quittungen werden gefunden. Telefonate werden belauscht. Ein fremdes Parfum wird gerochen, ein fremdes Haar wird untersucht. Ein Stück Porzellan wird dynamisch zerbrochen. Der erste Kuss wird nachträglich verflucht.

Es ist nicht mehr, wie es mal war …

Ein Rechtsanwalt wird gefunden. Der Ehevertrag wird studiert. Dokumente werden beglaubigt. Wertsachen werden notiert. Ein Gerichtstermin wird vereinbart. Die Messer werden gewetzt. Schmutzige Wäsche wird gewaschen. Gefühle werden verletzt.

Es ist nicht mehr, wie es mal war …

Die Liebe wird amtlich beendet. Eines Tages ist alles vorbei. Ein Stück Papier wird unterschrieben. Man fühlt sich verloren und frei. Man bleibt eine Zeit lang zu Hause. Man gibt sich verschlossen und kühl. Man macht gesellschaftlich eine Pause. Man vermisst das große Gefühl.

Es ist nicht mehr, wie es mal war …

© 2001 Werner Bönzli, Reichertshausen

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Ich weiß, du spürst es schon seit Wochen, dass ich nicht wirklich glücklich bin. Ich habe nie darüber gesprochen, ich weiß, das hatte keinen Sinn. Du könntest mich ja danach fragen, doch dazu fehlt dir wohl der Mut. Solange wir nichts darüber sagen, denkst du, wird alles wieder gut. Ich hab' dir nie davon erzählt, dass mir im Leben etwas fehlt. Ich weiß, du willst nichts darüber hören. Es könnte deine Ruhe stören. Wir haben die Wohnung, wir haben den Hund, wir haben zu essen, wir sind gesund. Darüber sollt' ich mich eigentlich freuen. Und darum halte ich meinen Mund. lch kann mich noch daran erinnern, wie es mit uns am Anfang war. Wir hatten Spaß an kleinen Dingen, die Welt war groß und wunderbar. Wir gingen stundenlang spazieren. Wir hatten nichts -wir hatten Zeit. Wir wollten niemals resignieren. Wir wollten keine Sicherheit. Ich hab' dir nie davon erzählt, dass mich im Innern etwas quält. Ein kleiner Schmerz, ein leises Stechen. ­ Es lohnt sich kaum, darüber zu sprechen. Wir haben das Haus, wir haben das Kind. Wir haben das Auto, es fährt wie der Wind. Und ich sollte mich wohl auch darüber freuen, wie gut wir beide versichert sind. 3 Wir geben Geld aus, und wir sparen. Ich sag dir, was mich daran stört: Wir interessieren uns seit Jahren nur noch für das, was uns gehört. Wir hatten mal Augen für die andern, die auch auf dieser Erde sind, die durch ihr eigenes Leben wandern -­ doch schon seit Jahren sind wir blind. Ich hab' dir nie davon erzählt, was mir in unser'm Leben fehlt. lch kann es vielleicht nicht gut beschreiben. Ich weiß nur, so darf es nicht bleiben. Wir haben die Villa, wir haben die Yacht. Das alles hat uns nicht glücklich gemacht. Ich denke, darüber sollten wir sprechen. Und jetzt schlaf weiter. - Gute Nacht.

2001

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Adam sah Eva, sie war ein Traum. Die Schlange fand die beiden vor dem Apfelbaum. Der Baum war tabu, der Baum war streng verboten. Die Apfel sahen gut aus, besonders die roten. Eva hatte Lust, doch ihr fehlte der Mut. Die Schlange sprach zu ihr: ,,Na komm, die Apfel sind gut, sie sind ganz fantastisch, komm, nimm dir einen ! Bei~ einfach hinein! Nimm doch keinen so kleinen! Vergiss das Verbot! Das ist nurTheater. Das merkt er doch gar nicht, der gute Gottvater." Da stahl sie einen Apfel mit schneller Hand, biss hinein und sprach zu Adam, der neben ihr stand: ~Die andere H~lfte musst du jetzt verspeisen, nur so kannst du mir deine Liebe beweisen, und wenn du's nicht tust, dann werd' ich dich hassen. Du kannst mich jetzt doch nicht im Regen stehen lassen!" Und der Adam, er tat es, der Idiot, und nach hundertzwanzigJahren waren beide tot. Und wir alle sind seither nicht unsterblich, denn was Eva tat, war S~nde, und die S~nde ist erblich. Die Liebe der Frau liebt die Extreme, sie macht dem Mann die allergr~~ten Probleme. Und doch ist die Liebe der Frau unentbehrlich. Die Liebe der Frau ist lebensgef~hrlich! 2 Alexander der Gro~e fuhr in Richtung Iran, beruflich sozusagen, und er kam auch gut an. Die Gegend gefiel ihm, die Leute, das Land, und besonders ein Meder, den er dort fand. Die beiden verliebten sich gleich ineinander, der Meder Bagoas und der Grieche Alexander. Sie blieben zusammen und wurden ein Paar. Das gait damals nicht als sonderbar. Nun liebte Alexander aber schon seit Jahren den sch~nen Hephaistion, der war auch mitgefahren. Der sagte zwar nichts, doch er kochte vor Wut und fand die ganze Geschichte ~berhaupt nicht gut. Die Sonne schien, man fuhr weiter durchs Land und kam schlie~lich in die Gegend von Samarkand. Dort traf Alexander auf die wilde Roxann', die weckte gleich in ihm den alten Hetero-Mann. Und er bat ihren Vater spontan um ihre Hand. Das brachte Hephaistion ganz um den Verstand. Er trank nur noch Wasser, er a~ nur noch Brot. Das ging so zehn Tage, dann war er tot. Jetzt sp~rte Alexander einen gro~en Schmerz. Doch Gott sei Dank verlor er gleich darauf sein Herz an eine persische Prinzessin, die Hochzeit war klasse, und das warder Beginn der seleukidischen Rasse. Die Liebe des Mannes ist chaotisch, er findet alle m~glichen Leute erotisch. Die Liebe des Mannes ist egomanisch. Der Mann liebt nicht unbedingt monogamisch. 3 Der lmperator Gaius Julius Caesar hatte ein Faible f~r rabenschwarzes Haar. Das Haar, das die ~bliche R~merin trug, das war ihm noch lange nicht schwarz genug. Darum mussten seine stolzen Legionen jedes Haus durchsuchen, wo Menschen wohnen, in jedem Land der Erde, egal mit welchen Kosten, im S~den, im Westen, im Norden, im Osten. Sie sahen sich ~berall nach schwarzen Haaren um. Dabei entstand ganz nebenbei ein lmperium. Das dauerte, bis endlich irgendwann, irgendwie ein Legion~r, der Griechisch konnte, ~Heureka" schrie. Er sah Kleopatra, K~nigin der Pyramiden. Ihr Haar war fast wie r~misches und doch verschieden: schwarz wie die Feder eines kohlschwarzen Raben! Da rief der Legion~r: ~Diese Frau soll Caius haben." Schon flog eine Brieftaubenbotschaft ~bers Meer. Darin stand: ,,Ave Caesar! Komm sofort her!" Der war nach acht Tagen schon in Alexandria und fuhr gleich nilaufw~rts weiter zu Kleopatra. Als er ihre Haare sah, geriet er in Ekstase. Aber bald danach fiel sein Blick aufihre Nase. Diese hatte nicht das klassisch r~mische Profil, und so war Caesar sogar am Nil noch immer nicht am Ziel. Tief entt~uscht segelte er gleich zur~ck nach Hause. Seine Legion~re hatten endlich eine Pause. Und Caesar suchte jetzt, von Schwermut gepackt, zum guten al ten Brutus wieder engeren Kontakt ... Die Liebe des Mannes ist zum Lachen. Er liebt die allereigenartigsten Sachen. Er liebt nicht die Menschen, er liebt seinen Fetisch. Die Liebe des Mannes ist - pathetisch. 4 Der fr~nkische Kaiser Karl der Gro~e, a~ gerne Schweiner~cken mit Champignonso~e. Er liebte au~erdem den Krieg und die Jagd und die Himiltrud, eine reizende Magd. Eigentlich war f~r ihn alles in Butter. Doch dann fand Bertrada - das war seine Mutter ­ bei den Langobarden f~r ihn eine Frau, eine richtige Prinzessin, das passte genau! Und sie begann ihn Tag und Nacht zu qu~len, er solle sich mit dieser Prinzessin verm~hlen. Er wollte zwar nicht, doch sie gab keine Ruh', und so stimmte er schlie~lich widerwillig zu. Die Prinzessin war ein Flop, ihr Name ist vergessen, doch der Appetit kam bei Karl mit dem Essen. Schon nach einem Jahr stand er wieder am Altar mit einer Hildegard, die gerade dreizehn war. Zehn Jahre und neun Kinder sp~ter starb Hildegard, nach ihr kam Fastrada und danach Liutgard. Doch dann war Schluss ehelicher Bindung - er importierte eine islamische Erfindung: mit Er baute sich in Aachen ein sch~nes Frauenhaus. Aus jedem Fenster schaute eine sch~ne Frau heraus. Die Adallind, die Madelgard, Regina und Gerswind, die schenkten ihm das eine oder andere weitere Kind. F~r Karl den Gro~en wurde die Familie zur Plage. Na klar - versetzen Sie sich doch mal kurz in seine Lage! Die Kinder eines Kaisers woll'n sich kaiserlich verm~hlen. Da stellte sich die Frage: Woher nehmen und nicht stehlen? So zog er Jahr fLlr Jahr mit seinem Heer durch Schnee und Wind. Kaum war ein Land erobert, kam schon das n~chste Kind. Und schuld am ganzen Stress, das wusste Karl genau, war nur das Dr~ngen seiner Mutter wegen seiner ersten Frau ... Die Liebe der Mutter ist nicht zu vermeiden, und wer zu ihr Nein sagt, wird lebenslang leiden. Doch auch wer gehorcht, wird nicht unbedingt froh ­ da kann man nichts machen, das ist eben so. 5 Die stolze Isabella sa~ im Escorial und plauderte mit einem gewissen Cristobal, mit Cristobal Colon, auch Kolumbus genannt. Den fand die Isabella nicht ganz uninteressant. Er hatte eine ganz konfuse fixe ldee: Er wollte r~ckw~rts fahren mit dem Schiff auf hoher See, das sei schneller als normal ... Er war wohl nicht ganz dicht. Aber das, ehrlich gesagt, st~rte Isabella nicht. Denn dieser Cristobal war unglaublich gut gebaut! Mit seinem starken Hals und seiner seemannsbraunen Haut machte er der stolzen Isabella sehr schnell klar, welches Gl~ck sein verr~ckter Plan f~r Spaniens Krone war. Und sie lie~ fr ihn drei stolze Schiffe bauen als offentliches Zeichen f~r unendliches Vertrauen. Und im gr~~ten dieser Schiffe, vierundwanzig Meter lang, fand sich ein verborgener Platz f~r ein Privatappartemang. Am Tage des Rekordversuchs blieb Isabell verschwunden,­ Es hie~, sie sei aufs Land gefahren f~r ein paar Stunden. Doch Cristobal Colon fuhr unter donnerndem Applaus mit seinen stolzen Schiffen aufs offene Meer hinaus. Aber sein Rekordversuch konnte gar nicht gl~cken, denn er lie~ auf Deck sich wochenlang nicht blicken. Die Schiffe trieben westw~rts ohne F~hrung, ohne Plan, und kamen irgendwann in einer gottverlassenen Gegend an. Die stolze Isabella blieb die ganze Zeit verborgen. Man suchte sie und machte sich schon ziemlich gro~e Sorgen. Doch wie's der Zufall wollte: An dem Tag, als mit Trara Cristobal zur~ckkam, war auch Isabella wieder da ... Die Liebe der Frau zeigt uns ganz neue Welten. Das ist zwar nicht billig, oder h~chstens ganz selten, doch andererseits muss man gestehen: Man bekommt f~r das Geld eine Menge zu sehen. 6 Ludwig XVI. liebte Marie Antoinette. Beide liebten das Leben, beide starben niche im Beet. Und ein bayerischer K~nig, der auch Ludwig hie~, liebte eine Lola, die ihm keine Ruhe lie~. Die Sache mit der Lola wurde schlie~lich zum Skandal. Dagegen waren Edward und Miss Simpson recht banal. Er sagte: ~Meine Krone k~nnt ihr euch sonstwohin schieben. lch will gar niche regieren, ich will nur Miss Simpson lieben." J. F. K. und Marilyn, Monica und Bill, die Liebe f~llt auf jeden Fall, wohin sie fallen will. Meise bleibt von ihr ein Tagebuch, ein Brief, ein paar Gedichte ... Doch wenn sie auf die Gro~en f~llt, dann schreibt sie Geschichte. Die Liebe des Menschen hat Konsequenzen, sie ist nicht vern~nftig, sie kennt keine Grenzen. Sie nimmt uns alles und gibt nichts zur~ck. ­ Liebe ist Leben! Liebe ist Gl~ck! 2000

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Sie ist auf die Welt gekommen. Sie hat in die Windeln gemacht. Sie hat Brust und Flasche genommen. Sie hat zum ersten Mal gelacht. Sie hat ihren Eltern die Nacht unterbrochen. Sie hat ihr erstes Wort gedacht. Sie hat ihr erstes Wort gesprochen und ihre Mutter zum Lachen gebracht. Und sie hat ihren ersten Schritt getan, unsicher, mit weichen Knie’n. Ein winziger Schritt für die Menschheit. Ein gewaltiger Schritt für sie.

Sie ist zur Schule gegangen. Sie hat Lesen und Schreiben gelernt. Sie hat Ball gespielt und Fangen und für ihre Lehrerin geschwärmt. Sie hat Gedichte und Geschichten geschrieben. Sie hat ein Tagebuch geführt. Sie ist einmal sitzengeblieben; irgendwie hat die Schule sie nicht mehr interessiert. Dann hat sie eine Tasche vollgepackt, ist losgetrampt, frei wie noch nie. Ein belangloser Schritt für die Menschheit. Ein notwendiger Schritt für sie.

Sie hat Grenzen überschritten. Sie hat andere Menschen geseh’n, mit neuen Sprachen, fremden Sitten, und hat gelernt, sie zu versteh’n. Sie hat unbeschreibliche Gerichte gegessen, unwahrscheinliche Erzählungen gehört. Sie hat bei den Wehrlosen gesessen und die Zufriedenheit der Bürger gestört. Sie hat verstanden, was die Menschen treibt sich hinzulegen oder aufzusteh’n. Ein hoffnungsvoller Schritt für die Menschheit. Doch die hat davon nichts geseh’n.

Denn ihr ist ein Mann begegnet irgendwann im Monat Mai. Ein grauer Tag, es hat geregnet; und plötzlich war sie nicht mehr frei. Sie ist für immer bei diesem Mann geblieben. Drei Kinder, Reiheneckhaus, Hund. Sie hat nie das große Buch geschrieben. Die Menschheit hat nichts gehört aus ihrem Mund.

Sie hat gelebt, wie’s alle ander’n tun, ein Leben in privater Harmonie. Ein ganz fataler Schritt für die Menschheit. Ein ganz normaler Schritt für sie.

© 2001 Werner Bönzli, Reichertshausen

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Ist es wahr, dass du nie an dich selber denkst? Ist es wahr, dass du für dich nichts brauchst? Ist es wahr, dass du Geschenke niemals weiterverschenkst? Ist es wahr, dass du nicht trinkst, nicht fluchst, nicht rauchst? Ist es wahr, dass du schon beim Frühstück fröhlich bist? Dass du niemals mürrisch bist, niemals nervös? Ist es wahr, dass du, wenn man deinen Geburtstag vergisst, nicht verärgert bist, nicht traurig oder bös?

Wenn das so ist, dann kann's mit uns nichts werden, dann hätten wir wahrscheinlich immer Streit. Wenn das so ist, dann such dir einen andern, dann ist der Weg von mir zu dir zu weit.

Ist es wahr, dass du ein Versprechen niemals brichst? Ist es wahr, dass du dich nie beklagst? Ist es wahr, dass du immer erst denkst, bevor du sprichst? Ist es wahr, dass alles wahr ist, was du sagst? Ist es wahr, dass du sogar dein Lachen kontrollierst, dass es nie zu lange ist und nie zu schrill? Ist es wahr, dass du kein Wort sagst, wenn du dich zu Tode frierst? Ist es wahr, dass du nur das willst, was ich will?

Wenn das so ist …

Ist es wahr, daß dich nie das kleinste Kopfweh plagt? Ist es wahr, daß nie ein Kummer dich zerfrisst? Ist es wahr, sag, stimmt es wirklich, was man über dich sagt: Ist es wahr, daß du vollkommen bist?

Wenn das so ist …

© 1999 Werner Bönzli, Reichertshausen

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Sie wohnt in Unterosterhofen. Der Ort ist fast ein Paradies. Er liegt in Bayern, an der Donau. Und ich, ich wohne in Paris. Paris ist auch nicht schlecht zum Leben, und trotzdem fühle ich mich ziemlich mies.

Ich bin, ich bin in Paris, sie ist in Bayern, der Weg dorthin, der ist so weit. Achthundertvierzig Kilometer, das kostet Geld, das kostet Zeit. Und trotzdem will ich sie besuchen, auch wenn es regnet, hagelt oder schneit.

Ich geh von meiner Haustür zu Fuß zur Place Pigalle, dort steig' ich in die Metro und fahre bis Etoile. Dort wartet schon der Bus der Air France nach Charles de Gaulle. Ich bin noch in Paris und fühl' mich doch wieder wohl, denn ich bin schon unterwegs, unterwegs zu ihr ins Tirol – oder was? oder wo? …

Sie wohnt in einem kleinen Zimmer in einem winzig kleinen Haus, davor ein winzig kleiner Garten, das sieht total romantisch aus. Da möcht' ich hundert Jahre bleiben, bei meiner lieben süßen kleinen Maus.

Die liebe süße kleine Maus zeigt ihre Zähne: Sie ist nicht süß, sie ist nicht klein, und meine Maus, das wär' das Letzte! das will sie überhaupt nicht sein! Da soll ich gleich zu Hause bleiben, in ihr Haus komm' ich so nicht rein!

Das Flugzeug fährt zur Rollbahn, der Kapitän gibt Gas, wir fliegen steil nach oben, ja, das Fliegen, das macht Spaß! Schon ist Paris im Dunst verschwunden, wir fliegen übers Meer. Da kann doch was nicht stimmen – wo kommt das Wasser her? Dieses Meer zwischen Bayern und Paris, das überrascht mich doch sehr.

Ich hab sie einmal erst gesehen auf einem Bahnhof in Berlin. Ich war grad unterwegs nach Moskau über Hannover und Schwerin mit einem Aufenthalt in Warschau und Übernachtung in Tallin – immerhin.

Und sie, sie war, sie war grad auf dem Weg von Polen nach irgendeiner Stadt am Rhein. Sie wollt' sich eine Cola holen, da lud ich sie zu einer ein. Da schauten wir uns in die Augen und fühlten uns gleich nicht mehr so allein.

Das Flugzeug geht runter. In München liegt Schnee. Die S-Bahn in die Stadt kostet 10 Euro, das tut weh. Ein kalter Wind pfeift durch den Bahnhof. Die Gleise sind tot. Die Züge stehen still, alle Signale zeigen rot. Ich glaub', nach Unterosterhofen gibt es heut' ein allgemeines Fahrverbot.

Wir tauschten damals unsere Nummern, Handy und Festnetz-Telefon, vor dieser kleinen Imbissbude und fuhren bald danach davon. Ich fuhr nach Westen, sie nach Osten, oder andersrum, wen interessiert das schon …

Ich glaub', ich glaub', sie sagte mir auch ihren Namen. Yvonne, Helene, Anne-Marie … Den Namen hab' ich glatt vergessen, doch ihr Gesicht vergess ich nie. Die Nummern hab' ich längst verloren, mir bleibt nur noch ihre Physiognomie.

Ich hab' keine Adresse, ihren Namen weiß ich nicht. Wie soll ich sie da finden? Ich kenn' nur ihr Gesicht. Den Zug nach Unterosterhofen kann ich im Fahrplan nicht seh'n. Ich seh' nur einen Zug nach Mailand auf Gleis 13 steh'n. Ach was, dann nehm' ich eben den, ich hab' schon oft gehört, in Mailand ist es schön.

Sie wohnt in Unterosterhofen. Der Ort ist fast ein Paradies. Er liegt in Bayern, an der Donau. Ich war nie dort, ich fühl' mich mies. Das ist nicht wahr, es ist gelogen, am schönsten ist es nämlich in Paris!

© 1999 Werner Bönzli, Reichertshausen

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Du bist so freundlich, so nett und so lieb. Du hast ein liebes, nettes, freundliches Gesicht. Du bist sympathisch und interessant, ja, langweilig oder unsympatisch bist du wirklich nicht. Du bist natürlich und dabei doch elegant, du bist eine natürliche und elegante Frau. Und deine Augen sind so schön und hell und rein und klar, ja, deine schönen, hellen Augen sind ganz wunderbar! Die ganze Welt wird ganz anders, ein Traum wird wahr, wenn ich in deine klaren Augen schau’.

In meiner Wohnung ist alles ganz klein. In meiner kleinen Küche steht ein kleiner Tisch, und neben diesem kleinen Tisch steh’ ich am Herd, und in einer kleinen Pfanne bruzzelt ein schöner Fisch. Du stehst bei mir und garnierst den Salat. Ich schneid’ die Zwiebel klein, weil du’s vielleicht vergisst. Und dann, ja dann sitzt du am Tisch, und ich sitz’ vis-a-vis, und unterm Tisch berühren meine Knie deine Knie; der schöne Fisch wird schon kalt, das passiert mir sonst nie, ja, das passiert nur, weil du bei mir bist.

Du hast zwei Kinder, einen Hund und ein Klavier und möchtest wissen, ob mich das stört. Die Kinder sind dir nicht sehr ähnlich, der Hund gehorcht dir nie, und ich weiß nicht, ob das Klavier wirklich dir gehört. Die lieben Kleinen schrei’n und ziehen mich am Haar. Der liebe Nero pinkelt mir ans rechte Bein. Und das Klavier spielt ganz von selbst Chopin, Mussorgsky und Grieg. Dann ist es müde und spielt nur noch leise „Maikäfer flieg“. Doch mir ist alles egal, wenn ich bei dir lieg’ – Ich schau dich an, du schaust mich an, wir sind allein. Ich schau dich an, du schaust mich an … Ich schlafe ein … Du bist mein – ich bin dein.

© 1985 Werner Bönzli, Reichertshausen

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Wenn, ach wenn … Wenn, ach wenn … Wenn du mit mir gehen würdest Wenn du mich verstehen würdest Dann, ja dann … Dann, ja dann … Ja, dann würde ich immer bei dir sein Dann wärest du nie mehr allein Ja, wenn …

Wenn, ach wenn … Wenn, ach wenn … Wenn du an mich denken würdest und mir mal was schenken würdest Dann, ja dann … Dann, ja dann … Ja, dann hätte ich immer Zeit für dich Dann wäre kein Weg zu weit für mich Ja, wenn …

Wenn, ach wenn … Wenn, ach wenn … Wenn es mich nicht geben würde Wenn ich gar nicht leben würde Dann, ja dann … Dann, ja dann … Ja, dann würde ich gar nichts von dir wissen Dann würde ich nicht immer an dich denken müssen Dann würden sich eben zwei andere küssen Wennachwennachwennachwennachwenn jadannjadannjadannjadann!

© 1983 Werner Bönzli, Reichertshausen