Blattgold. Der Schweizer Buchpodcast: Recent Episodes

Blattgold. Der Schweizer Buchpodcast

Willkommen zu 'Blattgold', dem Schweizer Buchpodcast der Universität Zürich. Einmal monatlich gibt es hier aktuelle Literaturkritik, Interviews mit Autorinnen und Autoren oder thematische Sendungen rund ums Thema Literatur. Moderation: Salomé Meier

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In dieser Folge spreche ich mit der Dramaturgin, Kuratorin und Autorin Hayat Erdoğan über ihren Debütroman «Hauptsache kein Zeitgeist» (Claassen 2026). Der Roman spielt an einem einzigen Tag. Am 6. Februar 2023 erschüttert ein Erdbeben den Südosten der Türkei und den Norden Syriens. Zehntausende Menschen sterben, Hunderttausende werden verletzt.Die Geschichte beginnt aber nicht mit diesem unheilvollen Ereignis, sondern am Morgen danach, als die ersten Nachrichten aus dem Katastrophengebiet zur Erzählerin nach Zürich schwappen. Die Geschichte erstreckt sich über die nächsten 24 Stunden – jeder Stunde ist ein Kapitel gewidmet –, 24 Stunden, in denen die Katastrophe langsam beginnt, Realität anzunehmen, in dem Nicht-Verstehen erst Ohnmacht und Ohnmacht einer Trauer weicht, die tiefer greift, und dabei auch Verschüttetes anderer Art an die Oberfläche befördert – eigene schmerzhafte Erinnerungsschichten freilegt.Als Dramaturgin und ehemalige Co-Leiterin des Theater Neumarkts beherrscht Hayat Erdogan die szenisch-dramatische Zuspitzung, als Literaturwissenschaftlerin und Philosophin kennt sie die Theorien, die Macht-, Identitäts- und Erinnerungsdiskurse, und auch die Narrative um solche Naturkatastrophen, für die in Vergangenheit immer wieder religiöse, politische, mythische Erklärungen gefunden wurden.In ihrem Debütroman interessiert Hayat Erdoğan jedoch vor allem eine Frage: Was geschieht mit einem Menschen, wenn das vermeintlich feste Terrain ins Wanken gerät?«Hauptsache kein Zeitgeist» ist ein kluges, zartes und zugleich politisches Buch. Ein Buch über Erinnerung und Zugehörigkeit. Über Sprache als Halt – und als Bruchstelle. Und über Trauer, persönliche und kollektive, und die Frage, wie Trauer uns verbinden kann.Die folgende Aufnahme entstand Anfang März im Cabaret Voltaire in Zürich.Schnitt: Okan YilmazFoto © Nils Lucas Musik: Haftbefehl – 'Odyssee'

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. Gemeinsam sprachen sie im Zürcher Kaufleuten darüber, wie Codeswitching zu einem literarischen Werkzeug werden kann, über die körperliche Dimension von Sprache und darüber, was geschieht, wenn Wörter Erinnerungen, Begehren und Herkunft zugleich in sich tragen. Ihr Gespräch führte sie zu Fragen nach Sehnsucht und Projektion, nach den Geschichten, die über Liebe erzählen, und nach dem rituellen Ton, der den Roman wie eine Litanei beschwört und zugleich unterläuft.Redaktion und Schnitt: Okan YilmazMusik: Sezen Aksu – 'Her Şeyi Yak' Foto © Max Zerrahn/Suhrkamp Verlag

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(atlantis, 2025) – ein ebenso zarter wie kluger Text über Musik und Jugend, über eine latent lauernde Krankheit und über die Frage, wie wir leben wollen, angesichts der eigenen Endlichkeit. Was beginnt wie ein nostalgischer Indie Coming-of-Age-Roman, wird bald zum vielschichtigen Psychogramm einer Frau, Charlotte, deren Leben von einer Erbkrankheit namens Morbus Jackson untergründig beherrscht wird. Dieser Erbkrankheit ist die Großmutter zum Opfer gefallen, die Mutter zeigt Symptome, bevor sie bei einem Autounfall stirbt, möglicherweise war es ein Suizid.Charlotte spricht nur widerwillig über die Krankheit. In ihrem Leben geht es eher um ihre (schwindende) Karriere als Indie-Musikerin, Partys, Tourneen, Liebesgeschichten. Hinter Charlottes Coolness wird jedoch zunehmend ihre Angst sichtbar: vor dem Altwerden, vor der möglicherweise ererbten Krankheit, die ihr die Zukunft verstellt – Beziehungen, Kinder, Lebenspläne. Diese Folge ist eine Kooperation mit dem Literaturkritikmagazin VOLLTEXT, das seit diesem Monat auch dezidiert Schweizer Literatur abdeckt – mit klugen Rezensionen von Literaturwissenschaftler:innen, einem monatlichen Literaturkalender, sowie literarischen Beiträgen und Leseproben von Autor:innen wie Ilma Rakusa, Martin R. Dean und Nora Gomringer. Mehr unter www.volltext.net.Moderation und Schnitt: Salomé MeierMusik: Feist – I feel it allBild: © Ayse Yavas

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Çiğdem Akyol – Geliebte Mutter. Canim AnnemWas schulden Kinder eigentlich ihren Eltern? Und wie viel sollten Kinder ihren Eltern verzeihen, die selbst Opfer ihrer Verhältnisse waren? In dieser Folge von Blattgold spricht mein Kollege Okan Yilmaz mit der Journalistin und Autorin Çiğdem Akyol – bekannt durch ihre Erdogan-Biografie – über ihren ersten Roman Geliebte Mutter. Canim Annem. Ein Gespräch über Mutter-Tochter-Bindungen, Migrationserfahrungen zwischen Istanbul und dem Ruhrgebiet, die Traumata der Gastarbeit und die Suche nach Zugehörigkeit inmitten gesellschaftlicher Widersprüche.Moderation und Schnitt: Okan YilmazMusik: Selda Bağcan – Yaz Gazeteci YazFoto: Heiko Fischer

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In dieser Folge von Blattgold spricht Okan Yilmaz mit Sagal Maj Čomafai über dessen Debütroman Fast nichts all inclusive (Die Brotsuppe, 2025), ein Text, der mit leiser Wucht Fragen von Integration, Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Druck verhandelt. Die beiden sprechen über Konzepte der Liebe und Entfremdung, über gesellschaftskritische Töne und über das Gefühl permanenter Überforderung in einer Welt, in der einem formal alle Möglichkeiten offenstehen, man aber gerade aus einem Moment des Widerstands heraus nicht alles machen will. Sie sprechen über die feinen Symbiosen zwischen Musik und Literatur, über das Schweigen als Haltung und über den lakonischen Humor, der in den Kurztexten des Romans immer wieder als subversives Gegengewicht aufblitzt.Diese Folge ist eine Aufnahme des Gesprächs im Rahmen der Zürcher Sofalesung. Musik: Mr. Oizo - No Tony (feat. Phra)Moderation und Schnitt: Okan YilmazFoto: Jara Francalancia

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„Frauen und Steine“ (Droschl, März 2025) – Schon der Titel von Regina Dürigs neuem Erzählband bringt Bilder ins Rollen: Da denkt man an Stolpersteine, die im Weg liegen, an Trittsteine, die uns weiterbringen und dann den berühmten „Stein des Anstosses“. Aber was genau es mit diesen Steinen auf sich hat, das erschliesst sich erst beim Lesen – und so viel kann ich verraten: Es ist selten das, was man erwartet.In Dürigs Erzählungen wird das Motiv des Steins ganz unterschiedlich und auf oft überraschende Weise durchgespielt: Da ist zum Beispiel die Geschichte der vergessenen Archäologin Alice Kober, die versucht den Stein von Rosetta zu entschlüsseln oder die einer Hobby-Bildhauerin, die plötzlich merkt, dass „all ihre Hohlräume sich in den letzten Jahren mit Unsicherheit angefüllt hatten, dass hauptsächlich Geröll in ihr drin war und Schutt.“ Mal poetisch, mal politisch, mal ganz sinnlich – Dürigs Texte lassen keinen Steinbild auf dem anderen.Ich habe mit der Autorin im Aargauer Literaturhaus über ihren Band gesprochen und dabei trotz der zum Teil auch ziemlich schweren Themen sehr viel gelacht. Ein Gespräch über Sprachlust, über feministische Perspektiven und über die Kraft von Bildern. Drei Lesungen sind in dieser Folge zu hören:„Fragmente“:8:41 – 14:18„Um den heissen Brei“: 24:55 – 38:45„Katalog der Frauen“: 42:57 – 44:39Diese Folge ist eine leicht gekürzte Aufnahme von Lesung und Gespräch. Eine Kooperation mit dem Aargauer Literaturhaus.Schnitt: Okan YilmazMusik: Lana del Rey - West CoastSoundtrack zum Buch: Butterland – "Steine"

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Kaum ein anderes Buch hat die feministische Bewegung der 1970er-Jahre so geprägt wie Verena Stefans „Häutungen“ (1975). Allein in den ersten drei Jahren verkaufte sich das Buch hunderttausendfach. Das gerade einmal 120 Seiten schmale, autofiktionale Büchlein beschreibt die Befreiung einer jungen Frau aus patriarchalen Strukturen und Geschlechterrollen hin zu feministischer Selbstbestimmung. Stefans Sprache ist aufgeladen mit Widerstand und Übermut. An einer Stelle heißt es:„ich zerstöre vertraute zusammenhänge, ich stelle begriffe, mit denen nichts mehr geklärt werden kann, in frage oder sortiere sie aus.“Die Radikalität von Stefans Text ist kein Einzelfall. Auch andere Schriftstellerinnen der 1970er-Jahre kämpften mit ihren Büchern für Sichtbarkeit und Veränderung. Genau darum ging es auch bei der Buchvernissage im Karl der Grosse, wo ich mit Valerie Meyer und Nadia Brügger über ihr Sachbuch „Widerstand und Übermut“, erschienen beim Verlag Hier + Jetzt, sprach.Wir sprachen über die Frauenbewegung der 1970er-Jahre, über misogyne Literaturkritik, über die Gründung des ersten Frauenverlags – die Edition R + F –, über Brieffreundschaften und über den unverzichtbaren Wert von Freundschaft und Solidarität zwischen schreibenden Frauen zu einer Zeit, als weibliche Stimmen in der Literatur noch weitgehend überhört wurden. Diese Folge ist eine leicht gekürzte Aufnahme von Lesung und Gespräch.Schnitt: Okan YilmazMusik: Uzun İnce Bir Yoldayım – EnginFoto: Anja Fonseka

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Die diesjährige Zürcher Poetikdozentin heisst Monika Rinck. Monika Rinck ist vielleicht eine der angesehensten deutschsprachigen Lyrikerinnen unserer Zeit. Im November sprach sie an drei Abenden im Literaturhaus Zürich über das eigene poetische Schaffen. Unter dem Titel «Raumfragen» ging es dabei um poetische, digitale und städtische Räume.In dieser Folge von Blattgold unterhält sich mein Kollege Anatol Heller mit Monika Rinck über ihren aktuellen Gedichtband «Höllenfahrt & Entenstaat» (Kookbooks 2024). Die beiden sprechen über ganz unterschiedliche Themen: von alten, ägyptischen Grabinschriften und den verkörperten Stimmen der Hieroglyphen über Höllenfahrten und den alltäglichen Wahnsinn des Autofahrens – bis zu gigantischen Enten, die das Ende der Welt ankündigen. Schnitt: Okan YilmazMusik: Angela Winkler – Erinnerung an die Marie A. Foto: Ute Rinck

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In den letzten Jahren war der Begriff «Toxische Männlichkeit» in aller Munde. Toxisch männliches Verhalten zeigt sich in Beziehungen unter Männern, aber auch in der Beziehung zu Frauen, in Form von Mansplaining, Gaslighting oder männlichem Entitlement, also überall dort, wo Männer sich Frauen gegenüber überordnen. Seit ein paar Jahren kursiert nun auch der Begriff "Toxische Weiblichkeit" in den Medien. Doch was ist damit gemeint? Sophia Fritz hat dies zum Anlass genommen, genauer über die Formen und Entstehung «toxischer Weiblichkeit» nachzudenken und danach zu fragen, welche dekonstruktive Verhalten – gegenüber anderen, gegenüber sich selbst – sich Frauen angeeignet haben, um in dieser patriarchalischen Welt zu bestehen.Diese Folge ist eine Kooperation mit dem Gaskessel Bern, wo am 16. Oktober 2024 das hier zu hörende Gespräch mit Sophia Fritz aufgezeichnet wurde.Foto: Eno de WitSchnitt: Okan YilmazMusik: Tokyo Tea Room – Tell Me How

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Diese Folge von Blattgold kommt aus der Allgemeinen Lesegesellschaft in Basel. Hier, zwischen ledergebundenen Büchern der Kategorie 'Geschichte, Memoiren, Biographien', treffe ich nach der offiziellen Besucherzeit den Schriftsteller Martin R. Dean, um mit ihm über sein neues Buch «Tabak und Schokolade» (atlantis) zu sprechen. Der stark autobiographische Roman beginnt wenige Tage nach dem Tod der Mutter. Als es an die Aufteilung des Erbes geht, wird klar, dass der Erzähler nicht zur Erbengemeinschaft gehört. Weil er aus der gescheiterten, ersten Ehe der Mutter stammt, und von der Mutter, die sich später noch einmal verheiratet hatte, kein Testament aufgesetzt wurde, findet sich der Erzähler erneut als „Aussenseiter“, als „Kuckuckskind“ in der eigenen Familie. Während die Immobilien, das Geld und das materielle Hab und Gut an die Geschwister geht, bleibt ihm nicht mehr als ein Foto-Album und die Erinnerungen, die diese Schwarz-Weiss Fotos – Bild um Bild – in ihm freilegen.Ähnlich wie in W.G. Sebalds «Austerlitz» führen auch bei Martin R. Dean die im Roman abgedruckten Fotografien in eine aus unterschiedlichen Gründen lange vergessene und verdrängte Vergangenheit: Sie bezeugen die ersten vier Lebensjahre auf Trinidad, als die Mutter als Sekretärin auf einer Kaffeeplantage arbeitete, nachdem sie von ihrem gewalttätigen Ehemann geflüchtet war. Und sie bezeugen die Jahre danach, als die Mutter mit einem dunkelhäutigen Kind in die Schweiz zurückkehrt. Immer deutlicher wird im Laufe des Romans der Grund für das Schweigen in der Familie: «Ich war schuld, dass es meinen Vater gab.», resümiert der Erzähler an einer Stelle.Mit «Tabak und Schokolade» steht Martin R. Dean derzeit auf der Shortlist für den Schweizer Buchpreis. Der Preis wird am 17. November am Literaturfestival BuchBasel verliehen. Foto: Ayse YavasSchnitt: Okan YilmazMusik: Natalie Cole – 'Too Young'

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In dieser Folge von Blattgold ist Tabea Steiner bei mir zu Gast. Ihr neuestes Buch „Heidi kann brauchen, was sie gelernt hat“, über das wir in dieser Folge sprechen, ist eine Sammlung von 15 Essays über Beobachtungen des Alltags: über sterbende Bäume und unverhoffte Begegnung mit Hirschen, über das Aufwachsen auf einem Bauernhof, über Wanderfalken im Raum Zürich, über Sommergewitter und Weltraumschrott.Es sind diese scheinbar alltäglichen Beobachtungen, die die Autorin immer wieder über die grossen Fragen des Lebens nachdenken denken lässt: Über Leben und Tod, über Krankheit, über ein Kind, das fehlt, und über das Schreiben, das sich in den grossen Lücken – denen des Verlusts und des Mangels und im Bereich des Ungesagten und Unsichtbaren – einnistet.Schnitt: Okan YilmazMusik: Tracy Chapman – Fast CarFoto: Ayse Yavas

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Seit 40 Folgen sprechen wir auf diesem Podcast über Bücher, die wir gemeinsam lesen, diskutieren, analysieren, loben und kritisieren. Aber wie entsteht eigentlich aus einer Idee ein Text und schliesslich ein Buch, das wir in einer Buchhandlung kaufen können? Und welche Texte werden zu einem Stück Literatur, das wir auch in 20, 50 und 100 Jahren noch lesen werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich Frank Witzel in seiner ganz persönlichen "Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts" (2024, Matthes & Seitz). Die meisten von Euch werden Frank Witzel für seinen Roman mit dem so langen und grossartigen Titel "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Jahr 1967" kennen, für den er 2015 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.In dieser Folge von Blattgold sprechen Philipp Theisohn, Literaturprofessor an der Universität Zürich, und Frank Witzel über Kanonisierungsprozesse, Literaturkritik, über literarische Auszeichnungen, über vergessene und wiederentdeckte Autor:innen und immer wieder über Literatur, die nicht geschrieben, nicht gelesen und deshalb nicht erinnert werden kann. Für Philip Theisohn ist Frank Witzel auch deshalb ein sehr wichtiger Autor, weil er in seinen Werken immer auch eine starke poetisch-theoretische Reflexion mit sich führt. Das ist nicht nur in seinen Heidelberger Poetikvorlesungen der Fall, die eine grundlegende Analyse der Romantheorie von Roland Barthes darstellen,sondern auch in seinem Aufsatz über Kierkegaards "Predigten". Witzels Schreiben, so Philip Theisohn, ist immer auch eine Reflexion darüber, was Geschichte eigentlich ist, wie Erinnerung funktioniert und wie Traumata funktionieren. Die folgende Aufzeichnung ist eine leicht gekürzte Version von Lesung und Gespräch in der Zürcher Bar und Buchhandlung sphères; eine Veranstaltung des Zentrums für Literatur der Gegenwart.Schnitt: Okan YilmazMusik: Frank Ocean – Thinkin Bout YouFoto: Arne Dedert

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An den Solothurner Literaturtagen spreche ich mit dem österreichischen Schriftsteller Elias Hirschl. Während vor dem Fenster gemächlich die Aare vorbeizieht, sprechen wir in der Säulenhalle des Landhauses über dieses unendliche Meer an sinnlosen Inhalten im Internet, Memes, YouTube Videos, Listicles, die wir uns (wir sind nicht stolz drauf) an unseren Bildschirmen mitunter stundenlang reinziehen. Doomscrolling oder Doomsurfing nennt man das. Und der Doom, d.h. der Untergang, der dämmert auch schon am Horizont von Elias Hirschls neuem Roman "Content" (2024 bei Zsolnay). Bis dahin arbeitet die namenlose Erzählerin aber noch in der Content-Farm Smile Smile Inc. und schreibt sinnbefreite Listenartikel, die vor allem Clicks generieren sollen. Der Roman ist alles andere als bloss unterhaltsamer ‘Content’, sondern eine scharfe Gegenwartsanalyse der Generation ChatGPT, eine Tiefenbohrung in die spätkapitalistische Gesellschaft und ein Roman, indem das, was wir bisher für 'real' gehalten haben, zunehmend zersetzt wird.Diese Folge ist eine Kooperation mit den Solothurner Literaturtagen. Schnitt: Okan YilmazMusik: Kraftwerk - Computer LoveFoto: Amrei-Marie

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Nach ihrem preisgekrönten Vampirroman "Die nicht sterben" begibt sich die rumänisch-schweizerische Schriftstellerin Dana Grigorcea in ihrem fünften Roman auf die grosse Suche nach dem Wesen der Kunst. "Das Gewicht eines Vogels beim Fliegen" ist eine poetische Erkundung darüber, was Kunst überhaupt zu Kunst macht, wie Kunst entsteht und welchen Wert Kunst – ganz abgesehen eines monetären Marktwerts – besitzt.In der Live-"Blattgold"-Aufnahme vor Publikum beantwortet Dana Grigorcea nicht nur meine Fragen, sondern auch solche, die sie sich selbst im Prozess des Schreibens gestellt hat: Fragen darüber, wie viel Pathos Kunst verträgt, was Kunst uns geben kann und was sie uns abverlangt, ob Kunst ein Privileg ist und wie das eigentlich geht: Mutter-Sein und Schriftstellerin-Sein und wie das in ihrem Leben aufs Engste zusammenhängt. Was Ihr hier hört, ist eine leicht gekürzte Version von Lesung und Gespräch.Schnitt: Okan YilmazMusik: will.i.am – Mona Lisa SmileFoto: Lea Meienberg

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Ein Leben lang lassen wir Dinge, Orte und Menschen zurück; was bleibt, sind oftmals nur noch die Erinnerungen und Erzählungen und manchmal nicht einmal mehr das. Mit dem Verschwinden beschäftigt sich auch die deutsche Regisseurin und Autorin Helgard Haug in ihrem Prosadebüt „All right, Good night“. Darin überkreuzt sie zwei Geschichten des Verschwindens: Das historische Ereignis der MH 370, dem Flugzeug der Malaysia Airlines, das im Frühling 2014 mit 239 Passagieren an Bord plötzlich vom Radar verschwindet – und die ganz persönliche Geschichte ihres Vaters, dessen Demenz zeitgleich zum Verschwinden des Flugzeugs, beginnt. Über einen Zeitraum von acht Jahren zeichnet Helgard Haug das Verschwinden, die Suche und das Ringen mit der Ungewissheit nach, verknüpft die eigene Erfahrung in knappen, kurzen Sätzen mit der Trauerarbeit der Hinterbliebenen des Unglücksflugs.Mit Helgard Haug spreche ich im Rahmen der 'Tage internationaler Literatur' im Literaturhaus Zürich über die Phasen und Prozesse der Demenz für Betroffene und Angehörige, über die zunehmende Desorientierung in Raum und Zeit, über das Phänomen des ambiguous loss, einem Verlust, der oftmals unaufgearbeitet oder unbesprochen bleibt und über lange verdrängte Erinnerungsschichten, die zu einem fortgeschrittenem Zeitpunkt einer Demenz plötzlich wieder zu Tage treten. Diese Folge ist eine Kooperation mit dem Literaturhaus Zürich. Foto: Anna KorbutMusik: Lana del Rey – Summertime SadnessSchnitt: Okan Yilmaz

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In dieser Folge von Blattgold ist Necati Öziri zu Gast. Mit seinem Debütroman «Vatermal» stand Necati Öziri letztes Jahr auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.«Vatermal» erzählt die Geschichte einer Familie in deren Mitte eine Lücke klafft: Eines Nachts verlässt der Vater seine Familie, geht ohne ein Wort des Abschieds zurück in die Türkei. Der Roman beginnt damit, wie Arda mit einem Organversagen im Krankenhaus seiner Heimatstadt im Ruhrgebiet liegt. Aus seinem Krankenzimmer schreibt Arda seinem Vater einen Brief. Ihm, der sich nie die Mühe gemacht hatte, seinen Sohn kennenzulernen, erzählt er von Geburtstagen im Ausländeramt und vom letzten Sommer auf dem Bahnhofsplatz, bevor alle seine Freunde verschwinden. Und er erzählt von seiner Schwester und seiner Mutter: von Aylin, die von zuhause wegrennt. Und von Ümran, die sich ihr Leben einmal ganz anders vorgestellt hat.Mit Necati Öziri spreche ich vor seiner Lesung im Zürcher Kaufleuten über diesen Roman, aus dem zu Lesen ihn auch nach etlichen Lesungen immer noch, wie er sagt, "körperlich etwas kostet". Wir sprechen über fehlende männliche Vorbilder und Freunde, die sich gegenseitig zur Ersatzfamilie werden, über Necatis Arbeit als postmigrantischer Dramatiker und die Kraft von Empathie in Theater und Literatur, über die Gewalt, die im Warten-Lassen steckt und über die Ermächtigung, seine eigene Geschichte zu erzählen.Schnitt: Okan YilmazFotos: Sam EkbataniMusik: Kool Savas - Der beste Tag meines Lebens

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In dieser Folge von Blattgold ist Vera Zimmermann (UZH/Columbia University) zu Gast. Mit ihr spreche ich über Mariella Mehr; eine Autorin und literarische Stimme, die in ihrer Radikalität in der Schweizer Literaturlandschaft einzigartig ist. Nirgends wird dies wahrscheinlich so deutlich wie in den Romanen „Daskind“, „Brandzauber“ und „Angeklagt“, drei Romane, die zwischen 1995 und 2002 erschienen sind und als „Gewalt-Trilogie“ in die Schweizer Literaturgeschichte eingegangen sind. Auf schonungslose Weise drastisch und für mich als Leserin häufig schmerzhaft, erkundet Mariella Mehr darin die Formen und Auswirkungen von Gewalt, die viele Gesichter kennt und viele Schichten hat: Während „Daskind“ von der Gewalt im sozialen Rahmen – der Gewalt der Stigmatisierung und Exklusion – erzählt, sind es im „Brandzauber“ die Folgen dieser Gewalt, welche den Opfern auf den Leib geschrieben sind und sie auch im späteren Leben gefangen halten. Der letzte Roman „Angeklagt“ zeugt von der unheimlichen Dynamik, die entsteht, wenn erlebte Gewalt nicht nur weitergegeben wird, sondern – im Zustand der Angst, im Kampf um das nackte Überleben – keiner Logik mehr gehorcht, sich verselbständigt und radikalisiert.Schnitt: Okan YilmazMusik: The Smile - Free in the KnowledgeFoto: Ayse YavasDie Passage aus dem Roman "Angeklagt" stammt aus dem Hörbuch vom Verlag 'Der gesunde Menschenversand'Mariella Mehr: Daskind; Brandzauber; Angeklagt. Romantrilogie Zürich: Limmat Verlag 2017.

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Italo Calvino ist zweifellos einer der aussergewöhnlichsten italienischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und wenn man seine Texte so liest, wahrscheinlich auch einer der charmantesten. Diesen Monat wäre Calvino 100 Jahre alt geworden. Calvinos schriftstellerische Schaffensphase erstreckt sich über vier Jahrzehnte, von den 40er Jahren der Nachkriegszeit bis zu seinem Tod in den 80er Jahren. Hinterlassen hat er ein Werk breitester Palette von literarischen Genres wie Romanen, Kurzgeschichten, Essays, und Märchen, über Drehbücher und Opernlibretti und – von seinen literarischen Texten nicht immer zu trennen – theoretische und philosophische Texte. In seinen Romanen experimentierte Calvino mit Genres, verband Literaturtheorie und Praxis und wird deswegen oft als einer der wichtigsten Vertreter des sogenannten „Neuen Romans“ oder des „Postmodernen Romans“ genannt. In dieser Sendung von „Blattgold“ begebe ich mich mit dem Romanisten Prof. Thomas Klinkert hinein in Calvinos fiktive Welten und frage danach, was uns seine Texte heute noch zu sagen haben.Musik: Andrea Laszlo De Simone – ConchiglieSchnitt: Okan Yilmaz

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In dieser Folge ist RALPH THARAYIL bei Blattgold zu Gast. An den Solothurner Literaturtagen sprach ich mit ihm über seinen Debütroman «Nimm die Alpen weg», eine Art lyrische Prosaliteratur, in dem Ralph Tharayil, das Aufwachsen zweier Geschwister beschreibt, deren Eltern aus Südindien in die Schweiz gekommen sind.

Auf reduzierte und zugleich musikalische Art und Weise schreibt Tharayil über Migrationserfahrungen, die nie ohne Entfremdung von den eigenen Eltern auskommen, über die Muttersprache, die wie in Roland Barthes’ «Die Lust am Text» (1973), mit dem Körper der Mutter verwoben ist. Im Gespräch mit Blattgold erzählt er von Differenzerfahrungen, die sich in Körper einschreiben, aber auch von der Suche nach einer gemeinsamen Sprache, nach künstlerischem Ausdruck und nach Gemeinschaft.

Schnitt: Okan Yilmaz Musik: Tatsuro Yamashita – 'Fragile'

Diese Audioaufnahme wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von den Solothurner Literaturtagen.

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«Durch einen Unfall im Gravitationssystem stürzt die Erde schnell in die Sonne zurück, strebt ihr entgegen, um darin zu zerschmelzen: So lautet die Botschaft.Alles Leben wird enden. Es wird immer heisser werden. Die Hitze wird unerträglich sein für alles Lebende. Es wird immer heissen werden, und schnell wird alles sterben. Und trotzdem, noch sieht man nichts.»Mit diesen lakonischen Worten umreisst der Welschschweizer Autor Charles Ferdinand Ramuz die Ausgangslage seines Romans «Présence de la mort». Geschrieben hat Ramuz den apokalpytpischen Roman 1921 – inspiriert durch den Hitzesommer 1921, an dem in Genf erstmals 38,3 Grad gemessen wurden. Rund 100 Jahre später, im Sommer 2022, erreichen die Temperaturen in Genf ein neues Rekordhoch: 38,5 Grad. Die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich nicht länger übersehen. In jenem Sommer, an einem heissen Augustnachmittag liest der Übersetzer Steven Wyss Ramuz' prophetischen Text und beschliesst noch während der Lektüre, den Text ins Deutsche zu übersetzen. «Sturz in die Sonne» heisst der Roman, der jetzt gerade beim Limmat Verlag erschienen ist, übersetzt und kommentiert von Steven Wyss. Für diese Folge von «Blattgold» treffe ich Steven Wyss an den Solothurner Literaturtagen, um herauszufinden, wie aktuell der Roman heute noch ist und was er zur Klimadebatte dazu tragen kann.Musik: Indila – Dernière danseSchnitt: Okan YilmazFoto: Limmat Verlag

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Tove Ditlevsen dürfte vielen durch ihre autobiographische Kopenhagen-Trilogie bekannt sein. 2021 sind die drei Bände "Kindheit", "Jugend" und "Abhängigkeit" im Aufbau Verlag erschienen, in der neuen Übersetzung und mit jeweils einem Nachwort von Ursel Alleinstein. Auf nüchterne und zugleich mitreissende Weise erzählt Ditlevsen von ihrem Aufwachsen im Kopenhagen der 1920er Jahren in ärmlichen Verhältnissen und von ihrer schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter. Der zweite Teil folgt ihrem Leben als junge Erwachsene und ihren ersten Versuchen als Schriftstellerin. Der dritte Teil ist geprägt von den Krisen, von ihrer unglücklichen Ehe, von den Schwangerschaftsabbrüchen und von ihrer Abhängigkeit. In dieser Sendung befassen mein Gast, die Skandinavistin Eliane Jaberg, und ich uns mit einem Roman, der letztes Jahr auf Deutsch übersetzt wurde, der sich von der Trilogie literarisch stark unterscheidet und allenfalls noch als autofiktional bezeichnet werden könnte. "Gesichter" handelt von Lise Mundus, eine Mutter und Kinderbuchautorin, die zunehmend an Wahnvorstellungen leidet. Mit Lise blicken wir in Gesichter, die zerfliessen und zerrinnen, hören Stimmen, die wir nicht klar lokalisieren können. Hautnah erfahren wir so, was es heisst, wenn Vorstellung und Realität nicht mehr klar getrennt werden können.Eliane Jaberg studiert Skandinavistik und schreibt momentan ihre Masterarbeit über Tove Ditlevsen. Was sie an der dänischen Autorin interessiert, erläutert sie im Gespräch, indem wir über Psychosen und über Autobiographie als Selbstanalyse sprechen, über weibliche Autorschaft und über fehlende Anerkennung im männlichen Literaturbetrieb und über die Angst, das Gesicht zu verlieren.Schnitt: Okan YilmazMusik: King Gizzard & The Lizard Wizard – Butterfly 3000Foto: Cover der englischsprachigen Ausgabe von "Gesichter", Picador

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Jemand hört einen Ruf – oder ist es das Rauschen des Waldes? – und setzt sich in Bewegung. Nimmt einen Nachtflug gen Norden, Finnland, das Land aus "Wald und Wasser".So beginnt "Sie flogen nachts", der kunstvolle Debütroman von Mirja Lanz, in dem sich eine Frau, Aava, auf die Spuren ihrer Ahnen, als auch auf die Spuren ihrer Ahnung begibt.Diese Folge von Blattgold ist eine gekürzte Version der Aufnahme von Lesung und Gespräch an der Buchvernissage im sphères. Schnitt: Okan YilmazMusik: Jaakko Eino Kalevi – Deeper Shadows Verlag: Dörlemann

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Die Angestellten, von denen Olga Ravns Roman handelt, leben auf einem Raumschiff. Sie bestehen aus solchen, die geboren worden sind, und solchen die geschaffen worden sind. Ihr Auftrag ist es, eine Reihe seltsamer Gegenstände eines fremden Planeten zu beaufsichtigen, von denen sich die Angestellten wie magisch hingezogen fühlen.Für meinen Gast, Cédric Weidmann, ist Olga Ravns Roman ein raffiniertes Rätselbuch und gleichzeitig ernsthafte Science Fiction, weil sie uns als Leser:innen ernst nimmt: "Ernsthafte Science Fiction ist eine, die ihre Welt nicht auserklärt, weil die Sprache, die in dieser Welt herrscht nicht für uns gemacht ist; sie ist nicht dafür da, uns zu erklären, wie das 22. Jahrhundert funktioniert."Schnitt: Okan YilmazMusik: Stromae – MerciVerlag: März Verlag

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Ein feministischer Thriller, eine Roadnovel über Männlichkeit, Verlust und Heimat, ein Gespräch über Literatur und Ästhetik mit der letztjährigen Preisträgerin des Deutschen Buchpreises Anne Weber und ein Stimmungsbild vom Indie Büchermarkt: hier kommt unser Einblick in die 12. Ausgabe von „Zürich liest“.Zur Übersicht:Minute 1:55: Carla Henkel - Ruhm für eine Nacht (von Luana Sarbacher)Minute 9:00: JJ Bola - weiter atmen (von Anna Larcher)Minute 16:25: Anna Weber im Gespräch mit Philipp Theisohn (von Shantala Hummler)Minute 21:40: Forum Buchmarkt der Schweizer Verlage (von Larissa Waibel)Moderation: Shantala HummlerSchnitt: Okan YilmazMusik: Daikaiju – Jellyfish Sunrise

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Kaum eine Stadt war so oft im Fernsehen und im Kino zu sehen wie New York. New York ist die ultimative Kulisse, der ultimative Schauplatz, sodass tatsächlich hier zu sein, sich manchmal eigenartig surreal anfühlt.

Auf eben diese Besonderheit New Yorks spielt auch die Graphic Novel "IN NY" an, die im September beim Verlag Edition Moderne erschienen ist. Einerseits ist es eine Hommage an diese Stadt "in der alles möglich ist", andererseits erzählt sie die Geschichte vom Verlust eines geliebten Menschen, der das Gefühl für die Welt und einen selbst seltsam brüchig hinterlässt. Andreas Gefe und Julian Voloj haben für diese Geschichte eine ganz eigene Bildsprache kreiert. Ich hatte das Vergnügen, Julian Voloj, in New York zu treffen.

Schnitt: Okan Yilmaz Musik: Kendrick Lamar – Sing About Me, I'm Dying of Thirst Verlag: Edition Moderne

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„Blutbuch“ lautet der Titel von Kim de l’Horizons Roman, der kürzlich mit dem Jürgen Ponto Preis ausgezeichnet wurde. Darin erkundet und erschreibt Kim de l’Horizon die eigene fluide Identität, über die Suche nach der eigenen Herkunft, der weiblichen Blutslinie der Familie folgend.

Mit Kim de l'Horizon spreche ich über die Macht und die Magie der Sprache, darüber, was wir von Pflanzen lernen können und weshalb das Schreiben für Kim und für Menschen jenseits der Geschlechterbinarität nichts weniger als existenziell ist.

Foto: Anne Morgenstern Musik: Basit – Fluid Schnitt: Okan Yilmaz

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Nach zwei Jahren fanden die Solothurner Literaturtage endlich wieder leibhaftig statt. Aus allen Winkeln der Schweiz strömte Ende Mai das literaturaffine Publikum ins idyllische Städtchen an der Aare und besuchte die eine oder andere der insgesamt 140 Literaturveranstaltungen. Meine Kolleg:innen Kora Schild, Ronja Holler, Severin Lanfranconi und ich waren vor Ort und haben für euch genau hingehört.

Die einzelnen Beiträge im Überblick: 1:48 Lesung mit Eva Maria Leuenberger(Kora Schild) 9:18 Interview mit Johanna Schaible (Ronja Holler) 18:57 Lesung mit Ariane Koch (Salomé Meier) 26:22 "Im Bett mit Michael Fehr" (Severin Lanfranconi)

Schnitt: Okan Yilmaz Musik: Coop - Go Go Foto: © Susanne Goldschmid

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Vielleicht haben Sie Julia Weber schon gesehen, an Literaturtagen, Tanzfestivals oder gar einem privaten Festanlass: Im Licht einer Schreibtischlampe sitzt sie auf einem Stuhl, die Beine übereinandergeschlagen, tief gebeugt über einem kleinen Tisch und tippt konzentriert auf einer Schreibmaschine, beobachtet und – dichtet. Unter dem Namen «Literaturdienst» schreibt Julia Weber an privaten und öffentlichen Anlässen und übersetzt ihre Beobachtungen von Menschen, Begegnungen und Stimmungen in Worte. Intimität ist denn auch das Schlüsselwort für ihren zweiten Roman, «Die Vermengung», in den sie grosszügig autobiographischen Stoff eingearbeitet hat. Doch die Autorin ist, im Buch wie auch als Schreibende vor Ort, nur scheinbar verfügbar. In beiden Fällen durchbricht sie spielerisch die sakrale Aura des einsamen Schriftstellers, der allein im Schreibkämmerlein über seinen Texten brütet. In «Die Vermengung» macht Julia Weber genau dies zum Gegenstand literarischer Reflexion und denkt über ihr Schreiben und ihre Rolle als Frau und Mutter nach. Shantala Hummler traf Julia Weber auf ein Gespräch.

Schnitt: Okan Yilmaz Foto: Ayse Yavas

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Diese Folge von "Blattgold" kommt von ausser Haus, aus einem schönen, hellen Atelier im Industriequartier in Winterthur. Hier fand vor Kurzem die Sofalesung mit Regina Dürig statt. Regina Dürig ist für mich eine Autorin, die ihren Beruf in seiner ganzen Vielfalt ausübt. Bei allem, was sie tut, steht die Arbeit am Text und mit Texten im Mittelpunkt: Sei es als Schriftstellerin, sei es als Dozentin für Literarisches und Kreatives Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel und an der Hochschule der Künste in Bern, sei es als Performerin und Hörspiel-Produzentin. Bei ihrem letzten, grossartigen Hörspiel «Das Schweigen entziffern», begibt sich die Autorin Regina Dürig auf die Spuren der amerikanischen Altphilologin Alice Kober begibt, die anfangs 20. Jahrhunderts gelebt hat und ihr Leben der Entzifferung der «Linearschrift B» gewidmet hatte. Um das «Schweigen» und den Versuch das Schweigen zu entziffern, geht es auch in Regina Dürigs Prosadebüt, der Novelle „Federn lassen“, über die wir bei dieser Sofalesung gesprochen haben. Diese Folge ist eine gekürzte Version von Lesung und Gespräch.

www.sofalesungen.ch
 Foto (c) Anja Fonseka
 Schnitt: Okan Yilmaz
 Musik: Some Sprouts – Lucid

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"Ich hatte eine Farm in Afrika, am Fusse der Ngong-Berge..." - Mit diesen Worten beginnt der Roman "Jenseits von Afrika" der dänischen Schriftstellerin Karen Blixen. Siebzehn Jahre lang war sie Kaffeefarmerin in Kenia. Von dieser Zeit handelt der autobiographische Roman, der 1937 erstmals erschien. Mitte der 80er Jahre wurde der Stoff von Sydney Pollack verfilmt, mit Meryl Streep und Robert Redford in den Hauptrollen. Der Film erhielt ganze 7 Oscars und ist einer der meistgesehensten Filme aller Zeiten.

In den Literaturwissenschaften wird Karen Blixen für ihre Erzählungen und Novellen seit je her als grossartige Geschichtenerzählerin gefeiert. Zwei Mal erhielt sie beinahe den Nobelpreis. Zunehmend wird sie jedoch auch für ihr aristokratisches Selbstverständnis und die damit verbundene Kolonialpolitik kritisiert.

In dieser Folge von Blattgold geht es nicht um den Roman, sondern um Blixens späte Novelle "Babettes Gastmahl", die nun erstmals vom Dänischen ins Deutsche übersetzt und mit einem Nachwort des norwegischen Schriftstellers Erik Fosnes Hansen erschienen ist. Mein Gast ist der Professor für Nordische Philologie, Klaus Müller-Wille.

Schnitt: Okan Yilmaz Foto: Ivar Faurskov Myrhøj/Scanpix Musik: Efterklang - Sedna

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Die Geschichte sei ihm "wie im Rausch" gekommen, sagt der Autor Hansjörg Schertenleib. In gerade einmal drei Wochen sei die Erzählung in ihrer Rohfassung gestanden, die nun am 3. Februar unter dem Titel "Die grüne Fee" bei Kampa erscheint. Und damit sind wir auch schon mitten in der Novelle. Denn "grüne Fee", so wird auch der Absinth genannt, also jenes Getränk das in der Schweiz wegen seiner halluzinogenen Wirkung lange Zeit verboten war. Der Rausch ist also auf mehr als einer Ebene zentral für die "Gespenstergeschichte", so der Untertitel, und wirft immer wieder die Frage auf: Was ist hier Erinnerung? Was rauschhafte Fantasie? Ich habe mit Hansjörg Schertenleib, der heute im Burgund lebt, digital über sein neues Buch gesprochen.

Musik: James Blake - Retrograde Schnitt: Okan Yilmaz Foto: Milena Schlösser

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Der letzte Podcast in diesem Jahr ist der österreichischen Nachkriegsautorin Ilse Aichinger gewidmet, die dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs, die Verluste und die Verfolgung, prägten Ilse Aichinger ein Leben lang. 1948 schrieb sie den Roman «Die grössere Hoffnung», in dem sie ihre Kriegserfahrungen verarbeitete. Es sollte ihr einziger Roman bleiben: Aichinger entwickelte immer mehr ein Misstrauen gegenüber der Sprache, darüber was man mit Sprache wirklich ausdrücken konnte, sodass sie später nurmehr Kurzprosa schrieb. Mit meiner Kollegin Valerie Meyer spreche ich über die Jahrhundertautorin und ihre Poetik des Kleinen.

Musik: Khalid - "Coaster" Hörspiel "Knöpfe", Produktion SRF 1974, Regie: Joseph Scheidegger Schnitt: Okan Yilmaz

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Die diesjährige Zürcher Poetikdozentin ist Teresa Präauer. Kaum eine Autorin verbindet Literatur und bildende Kunst derzeit so raffiniert wie die österreichische Schriftstellerin. In Linz geboren und in Graz aufgewachsen, studierte Teresa Präauer Germanistik und bildende Kunst in Salzburg, Berlin und Wien. Die Kunst ist in all ihren Texten präsent, sei es im Nachdenken über berühmte Gemälde, sei es in poetischen Verfahren wie der Bricolage oder der Montage. Die Kunst ist der Spiegel, in dem sich Teresa Präauers Literatur reflektiert und umgekehrt.

Foto: Thomas Langdon Musik: FKJ & Masego - Tadow Schnitt: Okan Yilmaz

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Ende Oktober fand das Literaturfestival «Zürich liest» statt. Rund 200 Autorinnen und Autoren lasen während fünf Tagen an unterschiedlichsten Orten in Zürich. Fünf Kolleginnen und Kollegen vom Deutschen Seminar der Uni Zürich haben sich für „Blattgold“ ins Getümmel gestürzt und berichten in diesem Podcast von ungewöhnlichen Lesungen, poetischen Performances und aktuellen Debatten im Literaturbetrieb.

Die Beiträge im Überblick: Ab 1:20: Lesung Pascal Janovjak (Andreas Frei/Paula Hsu) Ab 11:50: Interview mit Lidija Burčak (Okan Yilmaz) Ab 21:30: Buchvernissage Katja Brunner im Duo als Loretta Shapiro (Shantala Hummler) Ab 35:10: Podiumsdiskussion "Zwischen Kind und Text" mit Romana Ganzoni und Seraina Kobler(Tara Nusha Pfrunder) Ab 44:55: Sofalesung Simone F. Baumann (Silvan Preisig)

Schnitt: Okan Yilmaz Moderation: Salomé Meier

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Held ist die Hauptfigur in Flurin Jeckers neuem Roman «Ultraviolett». Er liebt das Leben, wenn er durch die Berliner Clubs tanzt, manchmal mehrere Nächte und Tage am Stück. Held heisst Held, weil ein guter Freund ihn einmal so genannt hat, «weil er den Mut gehabt hatte, nach Berlin zu kommen und sein Leben so zu leben, wie er es wollte.»

Doch wenn in einem Roman eine Figur «Held» genannt wird, dann ist es wahrscheinlich, dass das mit dem Held-Sein so einfach nicht ist. Die Geschichte, die Held sich selbst erzählt – dass der nach Berlin gekommen sei, um frei zu sein, um das Leben wie ein einziges rauschhaftes Fest zu feiern – entpuppt sich als Rastlosigkeit; als Flucht vor den Geistern, die ihn seit früher Kindheit heimsuchen.

Flurin Jecker hat mich zu sich ins Atelier in Bern eingeladen, um über seinen zweiten Roman «Ultraviolett» zu sprechen.

Schnitt: Okan Yilmaz Musik: Men I trust – "Show Me How"

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In der Schweizer Literaturszene machte dieses Jahr eine junge Frau von sich reden: Jil Erdmann gründete letztes Jahr mit nur 26 Jahren den feministischen Verlag sechsundzwanzig. Letzte Woche fand die Verlagstaufe und die Vernissage des ersten Buches «Frauen erfahren Frauen» in der Bar und Buchhandlung sphères statt, die ich moderieren durfte – mit Lesungen und Gesprächen mit der Verlegerin und acht Schweizer Schriftstellerinnen, die sich dafür mit dem Thema Frausein befasst haben.

Da der Abend nach kurzer Zeit ausverkauft war, und nicht alle ein Ticket ergattern konnten, die wollten, haben wir uns entschieden, die ungekürzte Fassung der Vernissage als Podcast wiederzugeben.

Lesungen: 09:50 Ruth Schweikert 17:35 Simone Lappert 37:50 Judith Keller 43:35 Henriette Vásárhelyi 56:50 Tabea Steiner 1:09:34 Katrin Schregenberger 1:14:24 Marlen Saladin

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In den bildenden Künsten und in der Literatur gehört die Wunde zu den wichtigsten Motiven überhaupt. Jeder kennt die Male der Wunden und Einstiche, die Jesus durch die Kreuzigung zugefügt wurden. Sie wurden im Christentum zum Symbol für das erlittene Leid, das er stellvertretend für die Menschheit auf sich nahm. Wunden waren für Menschen also immer schon mehr als Wunden, sie waren christliche Erkennungszeichen, sie waren Zeichen von Gewalt, von Krankheit, sowohl physischer wie psychischer Natur. Als Körper-Zeichen fordern sie «gelesen» zu werden. In der Literatur wurden die Wunden und Male gerade deswegen wiederholt zu poetologischen Bedeutungsträgern.

In dieser Sendung spreche ich mit zwei Gästen über Gedichte und Romane, in denen die Wunde eine zentrale Rolle spielt. Oliver Grütter beschäftigt sich in seiner Dissertation u.a. mit Krankheitslyrik in der Frühen Neuzeit und Selina Widmer schrieb ihre Masterarbeit über die psychische Wunde, das Trauma, in der Gegenwartsliteratur.

Schnitt: Okan Yilmaz Musik: Mount Kimbie - Home Recording Bild: Caravaggio - Der ungläubige Thomas

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Adelheid Duvanel gilt als die literarische Wiederentdeckung des Jahres. Grund dafür war das Erscheinen von Duvanels gesammelten Werken mit dem Titel «Fern von hier» beim Limmat Verlag. 251 Geschichten, davon manche nur knapp eine Seite lang. Die FAZ feierte es als eines der «grossartigsten erzählerischen Werke des 20. Jahrhunderts». Tatsächlich sind Adelheid Duvanels dichte Erzählungen trotz oder gerade wegen ihrer kurzen Form keine einfache Lektüre. Sie handeln ausschliesslich von Ausgestossenen, Versehrten, von verlassenen Müttern und Drogenabhängigen; gleichzeitig sperren sie sich gegen einfache Sinnstiftungen.

Zusammen mit dem Literaturwissenschaftler Aurel Sieber gehen wir diesen "Komödien der Einsamkeit", wie sie Peter von Matt einmal genannt hat, auf die Spur.

Schnitt: Marina Zwimpfer Musik: Connan Mockasin - Forever Dolphin Love Aufnahme "Das Schächtelchen": Schweizer Fonogramm, Edition Sound)))Lit; gelesen von Delia Mayer, Klarinette von Ernesto Molinari

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Einer der Publikumslieblinge der diesjährigen Solothurner Literaturtage war Benedict Wells. Mit «Hardland» ist dem Deutsch-Schweizer Autor einmal mehr ein Bestseller gelungen. Luisa Zanovello hat sich die Lesung und das Gespräch über seine Liebe zu 80-er Jahre-Filmen, über Nostalgie und Eskapismus angehört.

Der Solothurner Literaturpreis ging derweil an die deutschsprachige Autorin Iris Wolff aus Hermannstadt, Rumänien. Ihr letzter Roman «Die Unschärfe der Welt» ist ein eindrücklicher Mehrgenerationen-Roman über eine Familie aus dem Banat.

Schnitt: Marina Zwimpfer Die Audioaufnahmen der Lesungen wurden uns freundlicherweise von den Solothurner Literaturtagen zur Verfügung gestellt.

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"Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen", lautet ein Sprichwort von Matthias Claudius. Momentan ist das Reisen noch ziemlich eingeschränkt, umso mehr suchen wir Ferne und Abenteuer in der Literatur. In seinem Erzählband "Von unterwegs" begibt sich der deutsche Autor und Journalist Eckhart Nickel auf die Spuren grosser SchriftstellerInnen und FilmemacherInnen und lässt sich von Orten, Leuten und Geschichten inspirieren. Ich habe mit Eckhart Nickel über die Kunst des guten Reisens gesprochen.

Schnitt: Marina Zwimpfer Musik: flowers feat. nori - in love with a ghost

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Romana Ganzonis Roman beginnt mit dem so banalen wie spektakulären Satz: «Magdalena sass im Schaufenster der Bäckerei-Konditorei Märky, leckte sich den Puderzucker aus den Mundwinkeln und schloss das Langeweileheft.» Der Roman spielt in der Zürcher Altstadt, nahe des Bellevue, wo die Hauptfigur Magdalena, geborene Madlaina, also wie ein Gemälde im Schaufenster thront und Süssgebäck verkauft. Dass es in diesem Roman nicht nur um den Verkauf und den Verzehr von Süssspeisen geht, sondern – sozusagen unter einer dicken Schicht Zuckerguss – auch immer um ein Geschäft anderer Lüste und Begehren, das verrät schon der Titel «Magdalenas Sünde». Ich habe mit Romana Ganzoni über ihren zweiten Roman gesprochen.

Foto: Rolf Canal Schnitt: Marina Zwimpfer Musik: Vendredi sur mer - Écoute chérie

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Was passiert eigentlich, wenn die Figuren in einem Roman nicht mit der Geschichte einverstanden sind, die der oder die AutorIn für sie im Sinn hatte? Genau davon handelt der Roman «Oder?» von Judith Keller. Zwei Protagonistinnen fühlen sich «schlecht verzählt» und nehmen fortan das Ruder selbst in die Hand. Eine literarische Reise mit ungewissem Ausgang beginnt, eine wahre Odyssee, oder wie es im Roman heisst: eine Oderyssee.

Gast: Judith Keller Schnitt: Marina Zwimpfer Foto: Ayse Yavas

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Franz Kafka, ETA Hoffmann, Hermann Hesse – sie alle waren hoffnungslose Insomniker. Doch worin liegt das unsichtbare Band zwischen Schlaflosigkeit und Schriftstellerei? Auch der jugoslawische Jahrhundertschriftsteller Ivo Andrić litt zeit seines Lebens an Schlaflosigkeit. Das kürzlich erschienene Buch «Insomnia. Nachtgedanken» versammelt seine bisher z.T. unveröffentlichten Notizen darüber, was ihm nachts den Schlaf geraubt hatte. Ich habe mit meinem Kollegen Sebastien Fanzun über das Buch gesprochen.

Musik: Tops - Sleeptalker Schnitt: Marina Zwimpfer Foto: Stevan Kragujević

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Eine chinesische Sexpuppenfabrik ist der Arbeitsort von LING, eine der drei Protagonistinnen in Martina Clavadetschers neuem Roman "Die Erfindung des Ungehorsams". Und es ist der Ort, an dem später der Keim des Ungehorsams zu wachsen beginnt. Das Gespräch mit Martina Clavadetscher über künstliche Intelligenz, weibliche Selbstermächtigung und den uralten Wunsch nach Unsterblichkeit.

Schnitt: Marina Zwimpfer Musik: Tron: Legacy Foto: Aly Song/Reuters

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In Österreich macht gerade eine neue Generation junger Autorinnen von sich reden: Stefanie Sargnagel, Raphaela Edelbauer, Eva Reisinger: Sie alle sind klug, kritisch, humorvoll - und nicht zuletzt dank Social Media gut vernetzt. Mit meinem Kollegen, dem Literaturwissenschaftler und Karl Kraus-Experten Thomas Traupmann, spreche ich über die Bücher "dicht" von Stefanie Sargnagel und "Was geht, Österreich?" von Eva Reisinger.

Musik: Bilderbuch - Bungalow Schnitt: Marina Zwimpfer Die Aufnahme der Lesung von Stefanie Sargnagel stammt aus der Sendung "Willkommen Österreich!" E308 auf ORF.

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Seit knapp 60 Jahren gehört der Schriftsteller, Dramatiker und Maler Friedrich Dürrenmatt zum festen Kanon der Schweizer Literatur. Seine Theaterstücke «Der Besuch der alten Dame» und «Die Physiker» machten ihn erst europaweit bekannt und in den 1950/60er Jahren weltberühmt. Am 5. Januar wäre Friedrich Dürrenmatt 100 Jahre alt geworden. Zusammen mit meinem Gast Prof. Philipp Theisohn, der diesen Frühling eine Ring-Vorlesung zu Friedrich Dürrenmatt geben wird, gehen wir in der heutigen Sendung dem anhaltenden Erfolg Dürrenmatts auf den Grund. Moderation: Salomé Meier Schnitt: Marina Zwimpfer Musik: Film "Die Panne" (BRD, 1957) Jingle: Bit-Tuner

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Dieses Jahr mussten viele Lesungen abgesagt werden. Das Literaturfestival "Zürich liest" Ende Oktober konnte aber glücklicherweise noch stattfinden. Wir haben uns ins Geschehen gestürzt, haben einem Gespräch zwischen Meral Kureyshi und Frédéric Zwicker über den Erwartungsdruck beim zweiten Roman und über leibhaftige Recherche gelauscht und mit dem irakischstämmigen Schriftsteller Usama Al Shahmani über seinen Roman "Im Fallen lernt die Feder fliegen" gesprochen.

Redaktion: Katharina Alder und Salomé Meier Schnitt: Marina Zwimpfer Foto: Ayşe Yavaş

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Den widrigen Umständen zum Trotz stellte die dänische Schriftstellerin und Performancekünstlerin Madame Nielsen diesen November im Rahmen der Zürcher Poetikvorlesungen ihr Lebenswerk im Literaturhaus Zürich vor. Ein Werk, das buchstäblich mit ihrem Leben zusammengehört. Denn bei Madame Nielsen gibt es keinen Unterschied zwischen Schrift und Leben. Alles geht ineinander über: Leben und Literatur, Körper und Figur, Kunst und Wirklichkeit.

Auf „Blattgold“ sprechen wir mit Madame Nielsen über Identität, Politik und ihre Poetik und hören Ausschnitte aus ihren Romanen „Der endlose Sommer“ und „Das Monster“.

Foto (c): Sofie Amalie Klougart

Musik: The Nielsen Sisters – The Suicide Song Moderation: Salomé Meier Schnitt: Marina Zwimpfer

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"Was wird hier wirklich zu Grabe getragen?", fragt sich meine Kollegin Ursina Sommer bei Gertrud Leuteneggers neuem Roman "Späte Gäste". Darin kehrt eine Frau zur Beerdigung ihres ehemaligen Mannes zurück in das italienische Dorf, in dem sie vor langer Zeit gelebt hatte. Es ist Februar, Karnevalszeit, und die Erzählerin kommt in jener Nacht in einem verlassenen Wirtshaus eines Bekannten unter. In dieser Nacht der Trauer verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Wachen, zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Toten und Lebendigen. Moderation: Salomé Meier Schnitt: Marina Zwimpfer

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Auf der Suche nach einer noch unentdeckten Spezies reist Robert Akaret gegen alle Vernunft nach Papua Neuginea. Was klingt wie ein Abenteuerroman des 19. Jahrhunderts ist in nuce der Stoff des neu erschienenen Romans «Buch der geträumten Inseln» von Lukas Maisel, über den wir im zweiten Teil unseres Podcasts sprechen. Für meinen Gast Philipp Auchter liegt die anachronistische Ausgangslage dieses Romans in unserem Begehren, "diese fernen Inseln nach wie vor entdecken zu wollen" und der Feststellung, "dass das nicht mehr möglich ist – es gibt keine weissen Flecken mehr."

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Dorothee Elmigers dritter Roman "Aus der Zuckerfabrik" steht derzeit sowohl auf der Shortlist für den Schweizer wie für den Deutschen Buchpreis. Mit Shantala Hummler spreche ich über den Roman, der sich wie ein Recherchebericht liest, in dem eine Erzählerin u.a. der Frage nachgeht, worin sie liegt, die rätselhafte «Verknüpfung des Essens mit der Sehnsucht».

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In der ersten Folge unseres Literaturpodcasts begeben wir uns zurück in 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Im Gespräch mit der Germanistikprofessorin Maren Lickhardt gehen wir den vielen Veränderungen auf gesellschaftlicher, medialer und kultureller Ebene dieses ereignisreichen Jahrzehnts nach. Wir diskutieren, was es mit der Figur der vorübergehenden Frau auf sich hat, die plötzlich in zahlreichen Gedichten beschworen wird und sprechen über Annemarie Schwarzenbachs Erzählung "Eine Frau zu sehen" aus dem Jahr 1929.

Jingles: Bit-Tuner